Die beurkundete Geschichte des Dorfes Alvesse beginnt im 12. Jahrhundert. Vermutlich wurde die Siedlung im 8. Jahrhundert begründet.

1161

Alvesse wird erstmalig beiläufig in einer Schenkungsurkunde Heinrichs des Löwen als „Alvotesheim“ erwähnt.  1161 kaufte das Cyriacusstift in Braunschweig vom Kloster Riddagshausen 1 Hufe (Quelle: Die Urkunden Heinrichs des Löwen, bearbeitet von K. Jordan [Monumenta Germaniae Historica, Laienfürsten- und Dynastenurkunden, Band 1, 50] Weimar 1949).

Das Dorf ist, so wird vermutet, aus dem im 8. Jahrhundert gegründeten Einzelhof eines "Alvo" entstanden. Das Gehöft ist heute nicht mehr vorhanden, es bestand aber noch im 20. Jahrhundert und wurde zur Zeit der Reformation von der Familie Ehlers bewirtschaftet, deren Nachfahren noch heute im Dorf leben.

Die Namensform des Dorfes ändert sich über „Alvesthesheim" (1191), „Alvetesheim" (1210), „Alvedesse"  (1250) um 1500 auf die heutige Form „Alvesse“.

1160 bis 1200

Heinrich der Löwe verbessert die Reichsstraße 1, die von Aachen über Hildesheim und Braunschweig nach Magdeburg führte. Die Gegend erfährt einen Aufschwung. Zu jener Zeit verläuft diese wichtige Straße durch Alvesse.

um 1160

Bau der ersten Kirche in Alvesse. Das genaue Datum ist unbekannt. Die Kirche wird dem Heiligen Nicolaus geweiht.


Die kleine, turmlose Kirche aus Naturstein ähnelte eher eine Kapelle. Sie wird auf Kosten der örtlichen Bauern errichtet, die dadurch das Patronat halten. Sie sind zum Unterhalt der Kirche und Pfarrei verpflichtet, haben aber das Recht den Pfarrer selbst zu wählen. Die Kirche wird nicht inmitten des Dorfes gebaut, sondern nördlich auf noch unbebautem Gelände. In dieser Zeit ist die Gegend um Alvesse häufig sehr nass. Damit die Kirche nicht im Wasser steht, erhöhten die ansässigen Bauern das Gelände zuvor mit Erde.

1200

Das Dorf liegt südlich der heutigen Hauptstrasse im Bereich des Friedhofs und der Bahnlinie.

16. Jhd.

Das Herzogtum Braunschweig-Wolfenbüttel, zu dem Alvesse gehört, wird protestantisch.

1740

Bau einer ersten Schule in Alvesse.

1863

Die Alvesser Kirche wird im 17. und 18. Jahrhundert von den Bauern schlecht Instand gehalten. Daher wird die Kirche abgerissen und an gleicher Stelle für 6000 Taler eine neue Kirche erbaut. Die Bauern des Dorfes finanzieren auch den Neubau aus eigenen Mitteln und halten dafür weiterhin das Patronat.

Ende 18. Jhd.

Die Straße nach Vallstedt kann im Frühjahr nur mit hochrädrigen Wagen befahren werden, da die Wiesen um Alvesse häufig überschwemmt sind. Auch die Hauptstrasse des Dorfes ist im Winter häufig sehr nass.

5. Oktober 1874

Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Alvesse.

1887/90

Die Eisenbahnstrecke Braunschweig-Hildesheim wird gebaut und verläuft durch Alvesse.

1. Februar 1889

Der erste Zug fährt durch Alvesse. Alvesse hat einen Bahnhof neben der heute noch bestehenden Bahnschranke. Die Ortschaften Alvesse, Vallstedt, Wierthe, Üfingen, Sauingen.und Bodenstedt nutzen den Bahnhof. Davon kann Alvess profitieren und es entstehen zwei Gastwirtschaften und ein Postamt.

1902

Der Friedhof wird vom Kirchhof auf den heutigen Platz verlegt. Umbauten erfolgen im Innraum der Kirche durch die Landeskirche Braunschweig, das Patronat ist stillschweigend erloschen.

11. Mai 1933

Der Ortsverein der Evangelischen Frauenhilfe wird gegründet.

Postkarte vom 15. Juli 1969 mit der Kirche, der Dorfstraße und der Gastwirtschaft:



23. November 1963

Gründung des Schützenvereins Alvesse durch 22 Mitglieder als nicht eingetragener Verein.

1964

Die Schule in Alvesse wird geschlossen, die Schüler müssen zunächst nach Wierthe und Timmerlah, seit 1976 nach Vallstedt (weniger als 1km entfernt von Alvesse).

1. März 1974

Die selbständige Gemeinde Alvesse, Landkreis Braunschweig, wird im Zuge der Gebietsreform als Gemeindeteil in die Einheitsgemeinde Vechelde eingegliedert. Der Landkreis Braunschweig wird aufgelöst, dabei wird die Gemeinde Vechelde dem Landkreis Peine zugeordnet.

10. Mai 1982

Der letzte Zug hält in Alvesse. Durch den weiter gestiegenen Wohlstand und die verfügbaren Autos war die Nachfrage nach Zügen stark zurückgegangen. Die Deutsche Bahn schloß in den 70iger und 80iger Jahren viele dörfliche Haltestellen. Jetzt sind die Bahnhöfe in Vechelde in 5 Minuten und in Braunschweig in 15 Minuten zu erreichen.

Bildquelle: Rainer Güttler, 11.01.1987, http://www.schrankenposten.de

1985

Die Bahnlinie wird mit einer elektrischen Oberleitung ausgestattet. Vorher verkehrte zuerst Dampf- und dann später DIeselloks. Dadurch wird der Zugverkehr sehr leise.

Bevölkerungsentwicklung des Dorfes:

um 1160: 4 Halbspannerhöfe (70 bis 130 Morgen) und 10 Kotsassen (15 - 70 Morgen)

1693: Einwohnerzahl 94

1774: Einwohnerzahl 178

1823: Einwohnerzahl 229

1945/50: Einwohnerzahl 400 - Anstieg der Bevölkerung durch Zuzug vieler Flüchtlinge nach dem 2. Weltkrieg

© Alle Rechte am Text bei Helmut Seidel, Richard und Alexander Brendecke, alle wohnhaft in Alvesse.